Mit Gabriele Stark steht erstmals eine Frau an der Spitze von Ruf und Rat
Beratungsstelle erweitert Angebot um Mediation bei Konflikten in und außerhalb der Familie

Die Beratungsstelle von Ruf und Rat und damit auch die Telefonseelsorge werden seit Mitte September erstmals von einer Frau geleitet. Die Psychologin Gabriele Stark, die auf den Fildern aufgewachsen ist, ist in ihre Heimat zurückgekehrt: „Ich freue mich, in Stuttgart mit einem erfahrenen Team arbeiten zu dürfen. Wir haben die Möglichkeit, Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und Krisen beraten und unterstützen zu können. Mit der Telefonseelsorge sind wir zudem rund um die Uhr für Menschen in Notlagen da“, sagt die 58-Jährige. Ebenfalls neu angefangen hat die Juristin Sophie Sonntag und mit ihr bietet Ruf und Rat in Stuttgart jetzt erstmals Mediationen in Familienstreitfragen und bei anderen Konflikten an.

Gabriele Stark geht mit viel Engagement und Überzeugung an ihre neue Aufgabe. „Ich bin dankbar dafür, einen so sinnstiftenden Beruf zu haben. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen inzwischen, dass effektive Psychotherapie zu strukturellen und Aktivitätsveränderungen im Gehirn führt und Menschen wissenschaftlich nachweisbar geholfen werden kann“, so die neue Leiterin von Ruf und Rat, die auch eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin vorweisen kann. Unter dem Dach der Beratungsstelle, die im Hospitalviertel angesiedelt ist, wird ein breites Spektrum an Unterstützung angeboten: Lebensberatung ganz allgemein, Paar- und Eheberatung sowie Familienberatungen, die von acht hauptamtlichen Psychologinnen, Therapeuten und Theologen übernommen werden. Ebenfalls zu Ruf und Rat gehört die katholische Telefonseelsorge, die 365 Tage im Jahr Tag und Nacht zu erreichen ist und die allein im vergangenen Jahr 17 945 Anrufe entgegen genommen hat. Getragen wird die Telefonseelsorge von 60 ehrenamtlichen Frauen und Männern, die mit einer qualifizierten Fortbildung auf ihre Tätigkeit vorbereitet wurden.

„Wir zeigen den Menschen Wege auf, wie sie selbst Lösungen finden können“

Die Gründe, warum sich Menschen bei der Telefonseelsorge melden, sind vielfältig: es können Ängste und Depressionen sein, Suizidgedanken, Mobbing am Arbeitsplatz, Ohnmachtsgefühle in Zeiten von Corona. Auch in der Psychologischen Beratungsstelle geht es um die unterschiedlichsten Themen, um den Verlust von Menschen, um verunsichernde Umbruchsituationen, um schwere Erkrankungen in der Familie, um Konflikte in der Ehe, vielfach aber auch um familiäre Streitfragen nach einer Trennung. Gabriele Stark, die zuvor zehn Jahre lang die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Heilbronn geleitet hat, kennt die Grenzsituationen, in die Menschen kommen können: „Deshalb ist es uns wichtig, bei entsprechenden Krisen möglichst schnell persönliche Beratungstermine anbieten zu können. Ziel der Beratungen ist es immer, den Menschen Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Probleme eigenständig bewältigen können.“ Zur Dauereinrichtung sollte die Beratung deshalb nicht werden. Oftmals reicht nach der telefonischen Erstberatung ein persönliches Gespräch, bei schwierigen Konstellationen können es bis zu fünf Termine sein, in Ausnahmefällen auch mal mehr. „Es geht immer darum, die Menschen zu befähigen, sich selbst zu helfen“, so Gabriele Stark. Aufgrund von Corona bietet Ruf und Rat derzeit auch Beratungen telefonisch, per Mail, per Video sowie als „Walk and Talk“, als Spaziergang mit Beratung an. Bei persönlichen Gesprächen gilt die Maskenpflicht.

Mediation kann bei Trennung den Streitparteien zu einer tragfähigen Lösung verhelfen

Im Oktober hat zudem die Volljuristin und Mediatorin Sophie Sonntag bei Ruf und Rat begonnen. Die 40-Jährige wird von den Psychologinnen und Beratern eingeschaltet, wenn sich zeigt, dass eine Rechtsberatung erforderlich ist. Darüber hinaus bietet die Juristin von Ruf und Rat zum Beispiel bei familiären Trennungs- und Scheidungskonflikten den betroffenen Partnern eine Mediation an, die allerdings nur dann stattfinden kann, wenn sich beide Seiten freiwillig darauf einlassen. „Mediation kann ein sehr guter Weg sein, um eine nachhaltige Lösung für beide Parteien zu ermöglichen. Bei Gerichtsentscheidungen fühlt sich oftmals eine Seite stark benachteiligt und tut sich entsprechend schwer damit, die Entscheidung zu akzeptieren“, sagt Sophie Sonntag. Bei einer Mediation dagegen sprechen die Streitparteien miteinander und erarbeiten gemeinsam eine Lösung, die schriftlich festgehalten wird und die im besten Fall dazu führt, dass kein Gericht und keine Anwälte mehr eingeschaltet werden müssen. „Wir sind froh, dieses Angebot machen zu können, da eine Mediation die Menschen in einer schwierigen Situation oft schnell entlasten kann“, sagt Gabriele Stark.

Aufgebaut werden soll eine Beratung für Männer mit Missbrauchserfahrung

Die Stuttgarter Beratungsstelle verändert sich auch an anderer Stelle: In den nächsten Monaten soll eine Beratung für Männer, die Missbrauchserfahrung haben, eingerichtet werden. Ruf und Rat arbeitet gemeinsam mit den katholischen Beratungsstellen in Horb und Tuttlingen an einer Konzeption für dieses Beratungsfeld. Damit ist Ruf und Rat einer von drei Modellstandorten innerhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

16. November 2020

Katholisches Stadtdekanat
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mit dem Schwerpunkt:

Psychologische Beratung von erwachsenen männlichen Betroffenen sexualisierter Gewalt

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart – Trägerin der Psychologischen Beratungsstelle von Ruf und Rat in Stuttgart – stellt sich Ihrer Verantwortung im Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland auf unterschiedlichen Ebenen (s.a.: drs.de/rat-und-hilfe/hilfe-bei-missbrauch-praevention).
Empfehlungen der Missbrauchsstudie („MHG-Studie“), die von den Diözesen Deutschlands in Auftrag gegeben wurde, und daraus abgeleitete Empfehlungen des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart sind auf den Weg gebracht.

Die Psychologischen Familien- und Lebensberatungsstellen (PFL-Stellen) der Diözese leisten schon seit vielen Jahren kompetent Unterstützung und Hilfe für Menschen in Not, auch für Menschen, die sexuell missbraucht wurden. Betroffenen sexualisierter Gewalt zu helfen heißt, ihnen Last zu nehmen, mit ihnen Wege zu erarbeiten, mit dem Furchtbaren, das sie erlitten haben, zu leben.
Neben der psychologischen Beratung gehört auch Präventionsarbeit zu den Aufgaben der Psychologischen Beratungsstellen – auch im Bereich sexualisierter Gewalt.

Seit Jahren wird in Stuttgart das Netzwerk Männerberatung von den Fachberatungsstellen darauf aufmerksam gemacht, dass für erwachsene Männer mit Missbrauchserfahrung eine „Angebotslücke“ besteht. In Absprache mit dem Netzwerk Männerberatung (maennerberatung-stuttgart.de) wird Ruf und Rat mit dem Projekt versuchen, diese Lücke zu schließen.
Wie können die Psychologischen Beratungsstellen mit ihren Kompetenzen dazu beitragen, sexualisierte Gewalt noch umfangreicher und gezielter aufzuarbeiten, ihr entgegen zu treten und sie zukünftig zu verhindern? Das Fachreferat der PFL-Stellen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart entwickelte gemeinsam mit der Stabsstelle Prävention ein auf drei Jahre angelegtes Projekt an drei PFL-Standorten (Stuttgart, Tuttlingen, Horb). Nach Auswertung der Ergebnisse (2023) soll dieser Arbeitsbereich an allen PFL-Standorten in der Diözese implementiert werden.

Geplante Maßnahmen des Projekts bei Ruf und Rat in Stuttgart sind:

Psychologische Beratung

  • für erwachsene männliche Betroffene sexualisierter Gewalt (= Schwerpunkt!)
  • für Angehörige
    räumlich, personell und zeitlich getrennt davon:
  • Erstberatung für Täter*innen, Tatgeneigte, um sie in geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu vermitteln
  • Nutzung vorhandener Netzwerk- und Kooperationsstrukturen vor Ort (z. B. Netzwerk Männerberatung), um Klient*innen weiterzuvermitteln bzw. Klient*innen vermittelt zu bekommen.

Supervision

  • Einzel-, Gruppen- und Team-Supervision (v.a.) für kirchliche Mitarbeiter*innen
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Person, dem Bedürfnis nach Nähe und Beziehung, der eigenen Sexualität, Machtstrukturen

Präventive Maßnahmen

  • Präventionsprojekte planen und durchführen
  • Erstellen von Material für die präventiven Maßnahmen
  • Vorträge
  • Selbsthilfegruppen

Kooperation und Vernetzung vor Ort / Öffentlichkeitsarbeit

  • mit anderen – kirchlichen und nicht-kirchlichen – Einrichtungen, Fachbereichen, Gruppierungen und Personen
  • innerhalb des Dekanats
  • Kooperation und Vernetzung der Modellstandorte untereinander

Als nächster Schritt steht die Besetzung der Projektstelle an.