Jahrzehntelang galt ein Grundsatz als unumstößlich: die deutliche Überzahl der Frauen bei den Anrufern. Wenn man die Gesamtzahlen betrachtet, ist dies auch immer noch so, 68 Prozent der Anrufer bei der Telefonseelsorge sind weiblich. In einer Altersgruppe aber zeichnet sich eine bemerkenswerte Veränderung ab: unter den 5000 Anrufern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren finden sich inzwischen fast genauso viele Männer wie Frauen. „Jüngere Männer können eher über ihre Probleme reden. Es ist kein Tabu mehr, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie haben gelernt, dass sie nicht alle Probleme alleine lösen müssen“, stellt Thomas Krieg fest, der Leiter der katholischen Telefonseelsorge Ruf und Rat. Aus Sicht von Krieg deutet sich in den Zahlen eine gesellschaftliche Veränderung an, es wachse eine Generation heran, die sich viel selbstverständlicher Unterstützung und Hilfe sucht und zwar unabhängig vom Geschlecht. Was die jungen Männer antreibt, sich bei der Telefonseelsorge zu melden, sind Orientierungsprobleme auf dem Weg zum Mann sein. „Die alten männlichen Rollenbilder tragen nicht mehr“, sagt Thomas Krieg.