Doch das Thema Flüchtlinge ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den insgesamt 45 000 Gesprächen, die bei der evangelischen und katholischen Telefonseelsorge in Stuttgart im vergangenen Jahr eingegangen sind. Die Haupt- und Ehrenamtlichen der beiden Stellen führen zwischen 60 und 70 Gespräche jeden Tag. Es sind oft Menschen, die Brüche und schwere Schicksalsschläge zu verkraften haben, die anrufen, weil sie nicht mehr weiter wissen und an ihrem Leben verzweifeln. Unter den Anrufern finden sich zum Beispiel Menschen, die nach dem Sinn in ihrem Leben fragen, weil sie den Menschen verloren haben, der ihnen am nächsten stand. Seelische Probleme sind der häufigste Grund für die Anrufe. 22 Prozent der Hilfesuchenden leiden an Depressionen, 13 Prozent an Ängsten. Bei etwa 17 Prozent der Anrufer sind Konflikte in der Familie und der Partnerschaft der Grund für den Anruf, bei weiteren 12 Prozent ist Streit mit Nachbarn oder Freunden oder die eigene Einsamkeit der Auslöser. Bei ungefähr 30 Prozent der Anrufer liegt eine psychiatrische Diagnose vor. Die Menschen rufen an, weil der Psychiater oder Psychologe im Urlaub, im Wochenende oder schlicht nachts nicht zu erreichen ist. Neben der Psychiatrie und den ambulanten Krisendiensten ist das Angebot der Telefonseelsorge durch die 24-Stunden-Erreichbarkeit nach wie vor ein unverzichtbarer Teil des bundesdeutschen Hilfesystems.